Tipp 1: Materialangaben im Detail prüfen
Eine seriöse Sanitärofferte listet jedes Material mit Hersteller, Modell und Artikelnummer auf. «1 Stk. WC komplett» ist keine ausreichende Beschreibung — es macht einen enormen Unterschied, ob ein Geberit AquaClean Mera für CHF 5'500.— oder ein No-Name-Dusch-WC für CHF 800.— eingebaut wird. Achten Sie darauf, dass folgende Angaben in der Offerte enthalten sind:
Bei Sanitärapparaten: Hersteller, Modell, Farbe und Ausführung. Bei Armaturen: Hersteller, Typ (Einhebelarmatur, Thermostat), Oberfläche (Chrom, Matt, gebürstet). Bei Rohrmaterial: Typ (Kupfer, PE-X, Mehrschichtverbund), Dimension und Hersteller. Bei Plättli: Hersteller, Format, Qualitätsstufe und Farbe. Wenn eine Offerte nur pauschale Angaben macht, fragen Sie nach — oder wählen Sie einen anderen Betrieb.
Vergleichen Sie die angebotenen Materialien auch selbst: Die Preise für Sanitärapparate und Armaturen finden Sie in Schweizer Onlineshops wie sanitas-troesch.ch oder richner.ch. So erkennen Sie, ob der Aufschlag des Installateurs angemessen ist. Üblich sind 10 bis 25 Prozent auf den Listenpreis. Eine detaillierte Übersicht zu marktüblichen Preisen finden Sie auf unserer Seite Preise und Kosten.
Tipp 2: Stundenansätze und Arbeitspositionen verstehen
Die Arbeitskosten machen bei Sanitärprojekten 50 bis 60 Prozent der Gesamtkosten aus. Schweizer Sanitärinstallateure berechnen je nach Kanton und Qualifikation zwischen CHF 85.— und CHF 140.— pro Stunde. In Zürich und der Genferseeregion liegen die Ansätze tendenziell höher als in ländlichen Gebieten. Der Stundenansatz sollte in der Offerte klar ausgewiesen sein.
Achten Sie auf die geschätzten Arbeitsstunden pro Position. Ein erfahrener Installateur kann realistisch einschätzen, wie lange eine Arbeit dauert. Wenn eine Offerte für den Einbau eines Lavabos 2 Stunden veranschlagt und eine andere 4 Stunden, hat entweder der erste Betrieb mehr Erfahrung — oder der zweite kalkuliert Puffer ein, den Sie bei pauschalem Abrechnen nicht bezahlen würden.
Unterscheiden Sie zwischen Pauschalofferte und Aufwandofferte. Bei einer Pauschalofferte ist der Preis fix (Vorteil: Kostensicherheit). Bei einer Aufwandofferte bezahlen Sie die tatsächlich geleisteten Stunden (Vorteil: keine überhöhten Pauschalen). Für klar definierte Projekte (z. B. Boiler-Ersatz) empfiehlt sich eine Pauschalofferte, für Sanierungen mit unklarem Aufwand eher eine Aufwandofferte mit Kostendach.
Tipp 3: Versteckte Kosten aufdecken
Manche Offerten wirken auf den ersten Blick günstig, enthalten aber nicht alle Positionen. Die häufigsten «vergessenen» Posten bei Sanitärofferten: Anfahrtskosten (CHF 50.— bis CHF 120.— pro Einsatz), Entsorgung von Altmaterial (CHF 200.— bis CHF 800.— bei einer Bad-Sanierung), Kleinmaterialpauschale (Dichtungen, Schrauben, Teflon — oft 3 bis 5 Prozent der Materialkosten) und allenfalls Gerüstkosten oder Kran bei schweren Apparaten.
Prüfen Sie auch, ob die Mehrwertsteuer (8,1 %) im Endpreis enthalten ist. Seriöse Betriebe weisen die MWST separat aus. Wenn ein Betrieb keine MWST ausweist, ist er entweder nicht MWST-pflichtig (Jahresumsatz unter CHF 100'000.—, was bei einem Sanitärbetrieb auf geringe Grösse hindeutet) oder die MWST wurde vergessen.
Fragen Sie explizit nach: «Ist in Ihrer Offerte alles enthalten, was für die Fertigstellung nötig ist? Gibt es Positionen, die separat berechnet werden?» Ein seriöser Installateur antwortet offen und transparent. Wenn Positionen fehlen, lassen Sie die Offerte ergänzen, bevor Sie unterschreiben. Auf unserer Seite Dienstleistungen sehen Sie, welche Leistungen unsere Partner standardmässig anbieten.
Tipp 4: Garantie und Gewährleistung vergleichen
In der Schweiz gilt gemäss SIA-Norm 118 eine zweijährige Gewährleistungsfrist auf Handwerkerarbeiten. Bei verdeckten Mängeln verlängert sich die Frist auf fünf Jahre. Diese gesetzlichen Mindestanforderungen gelten immer — auch wenn die Offerte nichts dazu sagt. Seriöse Betriebe bieten jedoch oft freiwillig längere Garantien auf ihre Arbeit und die eingebauten Produkte.
Achten Sie in der Offerte auf: Garantiedauer auf die Installation (mindestens 2 Jahre), Herstellergarantie auf Apparate und Armaturen (oft 5 bis 10 Jahre), Regelung für Mängelbeseitigung (innerhalb welcher Frist wird nachgebessert?) und ob Anfahrtskosten bei Garantiefällen separat berechnet werden.
Besonders bei Bad-Sanierungen ist die Abdichtung ein kritischer Punkt. Feuchtigkeit hinter Plättli kann jahrelang unentdeckt bleiben und massive Folgeschäden verursachen. Fragen Sie, welches Abdichtungssystem verwendet wird und ob der Betrieb eine erweiterte Garantie auf die Abdichtung gibt. Hochwertige Flüssigabdichtungen (z. B. von Sika oder Weber) bieten Systemgarantien von bis zu 10 Jahren.
Tipp 5: Zahlungsbedingungen und Vertrag festlegen
Bevor Sie einen Auftrag erteilen, sollten die Zahlungsbedingungen klar geregelt sein. In der Schweizer Sanitärbranche ist folgendes Modell üblich: 30 Prozent Anzahlung bei Auftragserteilung (für Materialbestellung), 40 Prozent nach Abschluss der Rohinstallation und 30 Prozent nach Fertigstellung und Abnahme. Zahlen Sie niemals den gesamten Betrag im Voraus.
Halten Sie 5 bis 10 Prozent als Rückbehalt zurück, bis die Mängelfrist abgelaufen ist oder alle Mängel behoben sind. Das ist in der Schweiz üblich und in der SIA-Norm 118 vorgesehen. Der Rückbehalt motiviert den Betrieb, Mängel zeitnah zu beheben. Vereinbaren Sie den Rückbehalt schriftlich im Werkvertrag.
Der Werkvertrag sollte mindestens enthalten: detaillierte Leistungsbeschreibung (basierend auf der Offerte), verbindlichen Preis oder Kostendach, Zeitplan mit Start- und Enddatum, Zahlungsplan und Rückbehalt, Garantiebedingungen und Konventionalstrafe bei erheblichen Verzögerungen. Nutzen Sie den SIA-Werkvertrag als Vorlage — er ist fair für beide Seiten und enthält alle relevanten Regelungen. Fordern Sie jetzt Offerten an und vergleichen Sie professionell.